DIY-Bauanleitung für ein historisches Kinder-Spielzelt

Basierend auf historischen Bauformen ist dieses klein zerlegbare und gut verstaubare Mittelalter-Spielzelt - egal ob im Garten oder im Kinderzimmer - die ideale Behausung für kleine Ritter.

Bauplan mittelalterliches Kinder-Spielzelt

Spielzelte und Spielhäuser zählen nicht ohne Grund zu den beliebtesten Kinder-Spielgeräten. Egal ob sie massiv und stationär wie für den Garten, oder zerlegbar und portabel ausgeführt sind, Spiel-Behausungen geben Geborgenheit, bieten Rückzugsmöglichkeit und beflügeln die Phantasie beim Spiel zusätzlich. Und es sind weniger die modernen Spielzelte, die Kinder wirklich begeistern, sondern vorzugsweise solche mit traditionellem Bezug. Fantastische Themenwelten, die ihre realen Vorbilder in historischen, mittelalterlichen Kulturen haben, sind zeitlos und in jeder neuen Generation wieder aktuell, werden sie doch durch Literatur, Film und Fernsehen stets neu belebt. Den letzten großen Mittelalter-Boom, der nicht nur "kleine Ritter" erfasste, lösten die Verfilmungen der Herr der Ringe Romane aus. In dieser Bauanleitung widmen wir uns dem Selbstbau eines stilechten Ritter-Zeltes für Kinder, das sich durchaus auch für kleine Normannen, Wikinger, Germanen, Kelten oder Fans der Reiter von Rohan aus der Herr der Ringe Saga eignet. Die Giebelbohlen können dazu nach Wunsch mit Drachen- oder Pferdeköpfen verziert werden.



Die Bauweise orientiert sich an historischen Vorbildern mittelalterlicher Zelte für Heerlager. Ein typisches Merkmal dieser Zeltbauweise sind untere Querriegel, die die beiden sich kreuzenden Giebelbretter in Bodennähe miteinander verbinden und diesen Stabiliät und Verwindungsteifigkeit verleihen. Wir haben diese Riegel jedoch nach oben verlagert, da diese Bretter eine ständige Stolperfalle darstellen, weshalb diese Konstruktion für ein Spielzelt eher ungeeignet erscheint. Die Querriegel bilden nun mit dem Innenwinkel der Giebelbretter stilecht ein kleines dreieckiges Windauge, durch das der Rauch des Feuers abziehen kann. Aus der Bezeichnung "Windauge" leitet sich übrigens aus dem Germanischen die englischspachige Bezeichnung "window" für Fenster ab. Auch dieses Windauge ist ein reales Element frühzeitlicher Holzbau-Architektur. Das Zeltgestänge wird aus leichtem und günstigem Fichtenholz gefertigt und kann, wie bei den historischen Vorbildern, vollständig zerlegt werden. Zum platzsparenden Verstauen wird es in die Zeltplane eingewickelt und mit den Spannleinen verschnürt. Als Zeltplane wird leichtes und pflegeleichtes Kunsstoffgewebe verwendet. Dadurch, und durch geeignete Imprägnierung des Holzes, wird das Zelt witterungsbeständig und eignet sich in vollem Umfang für den Einsatz im Garten. Allerdings sind seine Dimensionen so bemessen, dass es auch einmal an langweiligen Wintertagen im größeren Kinderzimmer aufgebaut werden kann. 

Hinweis: Dieser Beitrag basiert auf einem Projekt unseres Partners für den Bereich Holzwerken und DoItYourself, dem Heimwerker-Portal DIY4you.de. Bei Detailfragen, Anregungen oder Kritik zu dieser Bauanleitung steht Ihnen das DIY4you-Redaktionsteam gerne per E-Mail zur Verfügung.

Die Grundkonstruktion des Mittelalter-Spielzeltes

Die beiden Giebelseiten werden durch je zwei Giebelbohlen gebildet, die sich im First kreuzen und unterhalb dieser Kreuzung durch einen Querriegel verbunden werden. Die Verbindung erfolgt durch einen Firstbalken, dessen verjüngte Enden durch entsprechende Aussparungen im Giebelkreuz gesteckt werden. Baugleich mit dem Firstbalken werden die gegenüberliegenden Giebelbalken auf beiden Seiten mit Bodenbalken verbunden. Zur Stabilisierung werden die gesteckten Bauteile durch Verspannung mit Seilen verbunden.

Vorbereitung der Bauteile für das Mittelalter-Spielzelt

Die für den Bau verwendeten Holz-Materialien sind als handelsübliche Maße vorkonfektioniert in Baumärkten zu erhalten. Für den perfekten Zuschnitt und die Gehrungsschnitte an den Holzleisten für das Spielzelt ist eine Kapp- und Zugsäge oder eine moderne Paneel-Säge optimal geeignet. Mit der Stichsäge ist der Zuschnitt natürlich auch möglich. Im Spielzelt-Bauplan sind Schablonen für die Gehrungen im Maßstab 1:1 enthalten.
Schneiden Sie die ausgedruckten Schablonen aus, und kleben Sie sie mit wieder lösbarem Sprühkleber auf die angegegebenen Positionen auf das Holz der Bauteile auf. Das erleichtert nicht nur den Zuschnitt, die Schablonen enthalten auch die Markierungen für Bohrungen und Ausschnitte. Bohren Sie an den unteren Enden der vier Giebelbohlen die Löcher an den Befestigungspunkten für die Spannseile in dem auf der Schablone angegebenen Durchmesser.
Nehmen Sie auch jeweils innerhalb der Markierung für den Ausschnitt eine oder zwei Bohrungen vor, um das Stichsägeblatt ansetzen zui können. Sägen Sie dann mit der Stichsäge und einem Sägeblatt für präzise gerade Schnitte die Ausschnitte sauber an der Konturlinie aus. Falls die Ränder des Ausschnitts wegen verlaufender Holzmaserung nicht exakt gelingen, können Sie mit einer Holzraspel und Feile nacharbeiten. Nur wenn die Ausschnitte präzise ausgearbeitet werden, lassen sich die Längsträger des Zeltgestänges hindurch stecken.

Genauso wie an den unteren Enden verfahren Sie auch mit den Bohrungen und Ausschnitten an den oberen Kreuzungspunkten an allen vier Giebelbohlen. Auch hierfür sind entsprechende Schablonen im Spielzelt-Bauplan enthalten. Die Schablonen werden im Abstand von 181 Millimetern vom oberen Rand der Bohlen positioniert. Achten Sie bei der Bearbeitung unbedingt auf Seitenrichtigkeit, denn die Bearbeitung der rechten und linken Bohlen muss spiegelverkehrt erfolgen.




Wenn die Ausschnitte an den Giebelkreuzungen hergestellt sind, können die Giebelbohlen an den oberen Enden verziert werden. Auch hier ist auf Seitenrichtigkeit zu achten. Im Spielzelt-Bauplan sind Schablonen zur Gestaltung mit Pferdeköpfen im Stil der Rohan-Reiter aus der Herr der Ringe Geschichte, sowie mit Drachenköpfen im Wikingerstil enthalten. Die Verzierungen werden an den äußeren Konturen mit der Stichsäge ausgesägt. Die inneren Konturen lassen sich mit einer Mini-Bohrmaschine und einem kleinen Kupelfräser leicht gravieren.

Die Enden der Trägerbalken sollen steckbare Verbindungen mit den Ausschnitten in den Giebelbohlen bilden. Jedes Ende der Balken wird dazu jeweils auf beiden Schmalseiten um 5 Millimeter verjüngt. Bei dem Firstbalken erfolgt die Verjüngung auf einer Länge von 52 Millimeter, bei den beiden Bodenbalken jeweils auf einer Länge von 31 Millimetern. Die Bearbeitung kann mit der Stichsäge oder der Oberfräse erfolgen.

Montage des Zeltgestänges für das mittelalterliche Kinder-Spielzelt

Alle Giebelleisten werden an beiden Enden in der Weise mit Gehrungsschnitten im Winkel von 55° versehen, dass sie jeweils ein langgezogenes Trapez bilden. Der Spielzelt-Bauplan enthält eine Schablone für die Gehrungen im Maßstab 1:1. Mit Hilfe dieser Schablone werden jeweils zwei der Giebelleisten versetzt miteineinder durch Holzschrauben verbunden. An den Markierungspunkten auf der Schablone werden die Leisten durchbohrt.

Um eine kraftschlüssige und winkelgerechte Verbindung der beiden sich jeweils kreuzenden Giebelbohlen und der vorbereiteten Giebelleisten durch steckbare Schraubenverbindungen herzustellen, empfiehlt es sich, die Giebelbohlen flach auf dem Werktisch auszulegen und mit Klemmzwingen zu fixieren. Mit Hilfe der im Spielzelt-Bauplan enthaltenen Schablone werden die Giebelbohlen in exaktem Winkel ausgerichtet. Dann wird die Giebelleiste angelegt und die die Giebelbohlen werden durch die schon bestehende Bohrung in der Giebelleiste hindurch gebohrt.
Alle bearbeiteten Holzteile des Gestänges für das Ritter-Spielzelt werden mit Schleifpapier mittlerer und feiner Körnung geschliffen. Nach dem gründlichen Entstauben kann eine Imprägnierung mit Holzschutz-Tiefengrund erfolgen, um das Gestänge witterungsbeständig zu machen. Das ist allerdings nur erforderlich, wenn das Spielzelt über längere Zeit im Freien aufgebaut bleiben soll. Für normalen Gebrauch genügt zum Holzschutz und zur Farbgebung ein satter Anstrich mit einer Holzschutz-Lasur im gewünschten Farbton.
Nach dem Austrocknen der Lasur nach Herstellerangaben kann der Aufbau des Zeltes erfolgen. Durch die Ausschnitte im Kreuzungspunkt von je zwei der Giebel- bohlen wird das Ende des Firstbalkens gesteckt. Mit Hilfe der Augenschrauben, der Unterlegscheiben und der Hutmuttern werden die Giebelleisten mit den gekeuzten Giebelbohlen fest verbunden. Die Augen der Schrauben werden dabei jeweils durch eine Mutter und eine Unterlegscheibe gekontert und müssen ins Zeltinnere weisen.

Die Montage könnte anstelle der Hutmuttern auch mit Flügelmuttern erfolgen. Das würde die Montage von Hand, ohne Werkzeug deutlich vereinfachen, aber auch ein erheblich größeres Verletzungsrisiko, gerade bei jüngeren Kindern, darstellen. Durch die Ausschnitte an den unteren Enden der Giebelbohlen werden die Enden der Bodenbalken gesteckt. In den Bohrungen werden, in der oben beschriebenen Weise, ebenfalls Augenschrauben verschraubt.
Jeweils auf einer Seite des Zeltes werden die Augenschrauben in sich kreuzender Weise durch das als Spannschnur fungierende Polyamid-Seil verbunden. Durch die Spannung der Schnüre auf der Innenseite der Giebelflächen werden die nur gesteckten Verbindungen des Zeltgestänges zusammen gehalten. Verknoten Sie das Seil an den beiden Enden durch gesicherte Knoten fest mit den Augenschrauben. Die Spannung, die Sie babei mit Ihren Händen durch Zug erzeugen können, ist völlig ausreichend für die Stabilität des Zeltgestänges. Um den Vorgang zu vereinfachen, können Sie auch das Seil gespannt abmessen, und eine der Augenschrauben zum Verknoten lösen.

Zur Herstellung einer geeigneten Zeltplane für das Spielzelt sind vielerlei Materialien geeignet, die möglicherweise noch in Form von Reststücken vorhanden sind. Prinzipiell lassen sich hierzu alle Stoff und Gewebearten verarbeiten. Eine leichte, witterungsbeständige und zudem leicht zu reinigende Zeltplane lässt sich kostengünstig aus Bau-Gewebeplane oder aus Sichtschutz-Material herstellen. Beide Materialien sind in Baumärkten günstig, und zudem in der stilgerechten Farbe dunkelgrün zu erhalten. Beide Materialien lassen sich gut kleben, aber auch mit einer normalen Nähmaschine mit starker Nadel vernähen. Wir haben die Plane einfach auf beiden Seiten etwa 15 Zentimeter weit zu Schlaufen umgenäht, durch die sich die Bodenbalken des Gestänges hindurch stecken lassen.

Materialliste zum Ritter-Spielzelt

Die Konstruktion des mittelalterlichen Ritter-Spielzeltes basiert auf der Verwendung vorkonfektionierter Holzbauteile, die Sie bei jedem HolzLand in Ihrer Nähe günstig beschaffen können. Die Querschnitte der Balken des Zeltgestänges entsprechen dem von einfachen Dachlatten aus Fichtenholz, die in der Länge von 2 Metern in sägerauhem oder gehobelten Zustand handelsüblich sind. Für die Giebelbohlen können gehobelte, sogenannte Schalbretter in entsprechendem Querschnitt verwendet werden. Für die Verbindungselemente genügen die deutlich günstigeren verzinkten Ausführungen. Um ein wirklich witterungsbeständiges Zelt zu bauen, empfiehlt sich jedoch der Einsatz von Ausführungen in Edelstahl. Maßangaben in Klammern geben jeweils mögliche Alternativen zu empfohlenen Dimensionen an. 

  • 4 Giebel-Bohle Fichte (Leimholz) 24 (18) mm, Länge 2000 mm, Breite 100 /98) mm
  • 1 Firstbalken Dachlatte Fichte 24 x 48 mm, Länge 2000 mm
  • 2 Bodenbalken Dachlatte Fichte 24 x 48 mm, Länge 2000 mm
  • 4 Giebelleisten Fichte (Leimholz) 24 (18) mm, Länge 318 mm, Breite 60 mm
  • 8 Verbindungen / Giebelleisten Senkkopf-Holzschraube, Länge 25 mm, Breite Ø 4,5 mm
  • 8 Montage / Verspannung Augenschraube M6 [DIN 444] (Edelstahl oder verzinkt), Länge 50 mm, Breite Ø 6,0 mm
  • 16 Montage / Verspannung Unterlegscheibe M6 [DIN 9021] (Edelstahl oder verzinkt), Breite Ø 18,0 mm
  • 8 Montage / Verspannung Mutter M6 [DIN 555] (Edelstahl oder verzinkt), Länge 53 mm, Breite 19 mm
  • 8 Montage / Verspannung Hutmutter M6 [DIN 1587] (Edelstahl oder verzinkt)
  • 14 m Montage / Verspannung Polyamid-Seil, Breite Ø 6,0 mm
  • 5 Zeltplanen Markisenstoff / Sichtschutzfolie, Länge 4000 mm, Breite 2000 mm
  • 1 Holzschutz (optional) Tiefengrund
  • 1 Farbgebung Schutz Bondex Express-Lasur

Werkzeugliste zum Ritter-Spielzelt

Die folgenden Hand- und Elektrowerkzeuge benötigen Sie zum Bau Ihres mittelalterlichen Spielzeltes. Die als minimal gekennzeichneten Werkzeuge sind unbedingt erforderlich. Mit den als optimal oder optional gekennzeichneten Werkzeugen lassen sich einzelne Arbeitsschritte schneller oder komfortabler ausführen, sie werden aber nicht unbedingt benötigt. 

minimal Akku-Bohrschrauber / Bohrmaschine Vorbohren / Beschläge
minimal Holz-Spiralbohrer 2,5 mm Vorbohrungen / Verbindungen
minimal Holz-Spiralbohrer 6 (7) mm Montage / Beschläge
optimal Pendelhub-Stichsäge Konturenschnitte (Zuschnitt)
optimal Holzsägeblatt für Stichsäge Zuschnitt
optimal Paneel-Säge Holz-Zuschnitt
minimal Schleifpapier 80 / 150 / 220 Bearbeitung von Kanten und Ausschnitten
minimal Kreuzschlitz-Schraubendreher Montage der Bauteile
minimal Holzraspel Bearbeitung von Kanten und Ausschnitten
minimal Feile Bearbeitung von Kanten und Ausschnitten
minimal Holz-Feinsäge Holzzuschnitt
minimal Lackierpinsel Aufbringen von Holzschutzlasur

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