0

KVH oder BSH?


KVH oder BSH? Moderne Baumaterialien im Ratgeber-Vergleich

Das Bauen mit Holz ist aktuell wie nie, denn das Naturmaterial punktet mit hohen Leistungswerten und gleichzeitig mit attraktiver Optik sowie einer sehr guten Ökobilanz. Bei erhöhten Anforderungen an die Holzqualität werden oft veredelte Bauhölzer verwendet, welche mit herausragenden und dabei genau berechneten Leistungswerten glänzen.

Die im vorliegenden Ratgeber thematisierten Bauhölzer, Konstruktionsvollholz (KVH) und Brettschichtholz (BSH), kommen bei umfangreichen Großbauten zum Einsatz, doch auch der Heimwerker hat für diese eine Vielzahl an Verwendungsmöglichkeiten!

Wir stellen Ihnen KVH und BSH im Einzelnen vor – mit ihren Stärken und Besonderheiten, danach vergleichen wir beide und gehen der Frage nach: Was ist besser, KVH oder BSH? Natürlich eine Frage, auf die es keine pauschale Antwort gibt, sehr wohl aber bezogen auf Ihre individuellen Anforderungen. Wir hoffen, dass dieser Ratgeber Ihnen die Entscheidung leichter macht.

Konstruktionsvollholz (KVH) entdecken                       Brettschichtholz / Leimbinder (BSH) entdecken

KVH oder BSH? Der Themenüberblick

Was ist KVH?

Konstruktionsvollholz wird aus heimischen Nadelhölzern hergestellt, Grundlage ist massives Holz. Verwendet wird vorrangig Fichtenholz, doch auch Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie sind gängig. Nur ausgewählte Materialqualitäten im Hinblick auf die Festigkeit und Optik werden verarbeitet. Der Einschnitt erfolgt „herzgetrennt“: Die Teilung oder (auf Wunsch) Entfernung der Markröhre verringert das Risiko von Verkrümmung, Rissen und Verdrehung.

Das Holz für KVH ist technisch getrocknet auf 15 % Holzfeuchte (3 % Varianz sind erlaubt). „Technisch getrocknet“ meint die kontrollierte Trocknung in einer dafür konzipierten Anlage bei mindestens 55 °C und mindestens 48 Stunden. Ein hoher Trocknungsgrad hat mehrere Vorteile: Erstens ist das Holz geschützt gegen Schädlingsbefall, sodass ein chemischer Holzschutz nicht notwendig ist. Insbesondere beim Einsatz im Innenbereich gilt dies als ein grundlegender Faktor. Zweitens minimiert der hohe Trocknungsgrad die Bildung von Rissen und Verzug.

Auf diese Weise wird KVH zu einem zuverlässigen Baumaterial, welches genau berechenbar und zuverlässig ist. Die Beanspruchbarkeit bzw. Belastbarkeit wird durch die Festigkeitsklasse klar beziffert, typisch sind die Klassen C24 bzw. C24M. Unabhängige Prüfinstitute kontrollieren regelmäßig die Qualität von KVH.

Vorteile des Bauens mit Holz

Im Vergleich mit ihrer statischen Leistungsfähigkeit sind Holzbauteile wie KVH leicht: Dies vereinfacht den Transport und belastet auch weniger das Bauwerk. Holz ist wohngesund und wirkt sich positiv auf das Innenraumklima aus, da es Wärme und Feuchtigkeit reguliert – gleichzeitig ist Holz ein sehr guter, natürlicher Dämmstoff. Darüber hinaus punktet das Material als ein sehr wirtschaftlicher Baustoff. Der Vorteil aus Sicht der Nachhaltigkeit liegt deutlich auf der Hand.

Anwendungen für KVH

Konstruktionsvollholz spielt eine herausragende Rolle beim Holzbau bzw. Holzhausbau. Zimmerer nutzen es für die unterschiedlichsten Holzarbeiten. Auch stabile Möbel wie zum Beispiel Werkbänke lassen sich mit KVH fertigen. Weiterhin eignet sich das maßgenaue Bauholz als Alternative zum Ständerwerk aus Metall bei der Konstruktion von leichten Trennwänden in Trockenbauweise. Für den Außenbereich gibt es ebenfalls viele Ideen. Der Heimwerker schafft sich mit KVH Gartenhäuser, Carports oder auch Pergolen.

Zwei verschiedene Sichtqualitäten: Wie makellos darf es sein?

Konstruktionsvollholz hat als Baustoff aus Massivholz immer den Charme echter Natur. Dennoch sind die Ansprüche unterschiedlich, was die „Sichtqualität“ betrifft. Es gibt bei KVH die Qualitäten „Si“ (sichtbarer Bereich) und „NSi“ (nicht sichtbarer Bereich). Hier sind die Ansprüche unterschiedlich, was an „Holzfehlern“ (bewusst in Anführungsstrichen) erlaubt ist. Dazu gehören Reste der Baumkante, Verfärbungen, kleine Risse, lose Äste oder auch größere Harzgallen (typisch bei Nadelholz). Während KVH Si sauber gehobelte Oberflächen erhält, wird die Oberfläche bei NSi KVH nur „egalisiert“, was sinngemäß ein weniger akribisches Hobeln bedeutet (Teilbereiche der Oberfläche bleiben rau). Die Kanten sind aber bei beiden Sichtqualitäten gefast.

Wenn KVH vor allem „konstruktiv“ genutzt wird und vielleicht gar nicht zu sehen ist, reicht natürlich die Qualität NSi völlig aus. Und selbst im sichtbaren Bereich ist auch KVH NSi ein Hingucker. Machen Sie sich am besten selbst einmal ein Bild bei Ihrem HolzLand Fachhändler vor Ort!


Bild: Mehrere Holzstücke werden über die Keilzinkung miteinander verbunden.
 

KVH: mit oder ohne Keilzinkung

Bei Konstruktionsvollholz werden vom Baumstamm nur Abschnitte von tadelloser Massivholz-Qualität verwendet, Fehlstellen werden entfernt. Um größere Längen zu ermöglichen, verbindet man diese Holzstücke über die sogenannte Keilzinkung miteinander, um theoretisch unbegrenzt lange KVH-Balken zu erschaffen.

Typische Längen ohne Keilzinkung liegen bei 5 Metern, mit Keilzinkung sind 13 Meter ein gängiger Standard im Holzhandel. Allerdings sind viele Zwischengrößen verfügbar, bereits ab 2 Metern startet das Sortiment – natürlich mit entsprechend passenden (verschiedenen) Querschnittsmaßen. Zusätzlich zu den vielen Standardlängen besteht es auch die Möglichkeit des Zuschnitts auf ein individuelles Wunschmaß.



Bild: Balkenschichtholz – bei Duo- und Triobalken werden zwei bzw. drei Bohlen flachseitig und faserparallel miteinander verklebt.
 

Balkenschichtholz bzw. Duobalken und Triobalken

Wenn größere Querschnitte gefordert sind, als reguläres KVH bieten kann, gibt es als Alternative das sogenannte Balkenschichtholz.

Hier werden einzelne Vollhölzer miteinander verklebt.

Ansonsten unterliegen sie mehr oder weniger den gleichen strengen Zulassungsvorschriften und bieten die gleiche hohe sowie zuverlässige Qualität wie KVH!

Was ist BSH?

Die Abkürzung BSH steht für Brettschichtholz (nicht zu verwechseln mit Balkenschichtholz, siehe oben). Beim auch als Leimbinder bekannten Bauholzprodukt werden mindestens drei Vollholzlamellen längsseitig fest miteinander verklebt. Die einzelnen Lamellen oder Bretter (daher der Name „Brettschichtholz“) sind technisch getrocknet auf 15 % ± 3 % und selektiert nach Festigkeit. Typischerweise wird BSH aus Fichtenholz hergestellt, doch auch andere Nadelhölzer wie Tanne, Kiefer, Lärche und Douglasie („die üblichen Verdächtigen“) kommen in Frage. 

Anwendungen für BSH

Der schichtweise Lamellenaufbau erlaubt eine sehr hohe statische Belastbarkeit bzw. mögliche Biegespannung. Dies ist relevant bei Konstruktionen mit hoher Spannweite zwischen den Stützelementen. BSH kann sowohl dazu dienen, besonders große Abstände zu realisieren, als auch kleinere Abstände, aber dafür mit besonders schlanken BSH-Elementen.

Als Bauholz ohne besondere „tragende Rolle“ ist BSH sicherlich überqualifiziert (und nicht wirtschaftlich). Das optisch ansprechende, gehobelte Brettschichtholz ist perfekt für offene Dachkonstruktionen sowie für den konstruktiven Innenausbau: Zwischenwände, Vordächer und einiges mehr.


Bild: Brettschichtholz kann zu beliebig langen Balken verarbeitet werden, indem es der Länge nach keilgezinkt wird.
 

Verschiedene Längen und Querschnitte

BSH kann durch den Lamellenaufbau und die Verbindung via Keilzinkung zu prinzipiell beliebig langen Balken verarbeitet werden, zum Beispiel 40 Meter lange Balken bei Hallendecken.

Im Handel werden jedoch vor allem Längen von 5 bis 12 Metern verkauft – mit den dazu passenden Querschnitten.

Bei Bedarf lässt sich BSH auf das gewünschte Maß zuschneiden.

KVH und BSH im Vergleich

Betrachten wir zuerst die Gemeinsamkeiten: Beide Holzbauprodukte basieren auf massivem Holz. Bei KVH sind es ganze volle Balken, bei Brettschichtholz verleimte Bretter. Optisch kommt bei beiden der Naturcharakter voll zur Geltung! Auch die im Handel typischen und verfügbaren Längen und Querschnitte sind sehr ähnlich. Die Unterteilung in die Sichtqualitäten „Si“ und „NSi“ ist ebenfalls eine Parallele.

Geht es um die Unterschiede, zeigt sich, dass BSH noch einmal bedeutend belastbarer ist. Wenn es um besonders hohe Spannweiten geht, die man realisieren möchte, ist man mit Brettschichtholz besser bedient. Dies schlägt sich aber auch – wenig überraschend – in einem höheren Preis nieder (bei vergleichbaren Querschnitten). Der ambitionierte Heimwerker verwendet weitaus häufiger das universell einsetzbare KVH.

Sie sind noch unsicher, welches Bauholz für Ihre Zwecke das Richtige ist? Dann besuchen Sie doch mal den HolzLand Partnerbetrieb in Ihrer Region und stellen Sie Ihre Fragen direkt an die Holzprofis vom Fachhandel. Ansonsten können Sie hochwertiges Brettschichtholz und Konstruktionsvollholz direkt online in unserem Shop bestellen!


Konstruktionsvollholz (KVH) entdecken                       Brettschichtholz / Leimbinder (BSH) entdecken

← Zurück zur Ratgeber-Übersicht
nach oben